Möbel GUNST: Größter Möbelhändler in Schwäbisch Hall gibt nach über 111 Jahren auf
Nach mehr als 111 Jahren Firmengeschichte endet eine Ära im Möbelhandel von Schwäbisch Hall: Möbel GUNST gibt seine beiden Einrichtungshäuser im Steinbeisweg auf. Betroffen sind GUNST Wohnen&Küche sowie der GUNST NimmMit Möbelmarkt. Aktuell läuft bereits der Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe.
Mit der Schließung verschwindet nicht nur ein traditionsreiches Familienunternehmen, sondern auch der größte Möbelhändler im Stadtgebiet von Schwäbisch Hall. Möbel GUNST wird inzwischen in vierter Generation geführt. Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren durch die Geschäftsaufgabe ihren Arbeitsplatz.
Möbel GUNST schließt nach mehr als einem Jahrhundert
Die Geschichte von Möbel GUNST reicht mehr als 111 Jahre zurück. Über Generationen hinweg gehörte das Unternehmen zu den etablierten Einrichtungshäusern der Region. Das Einzugsgebiet erstreckte sich weit über Schwäbisch Hall hinaus und reichte unter anderem bis Crailsheim, Öhringen, Künzelsau, Gaildorf, Blaufelden und Backnang.
Nun steht fest: Die beiden Möbelhäuser mit zusammen fast 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche werden dauerhaft geschlossen.
Geschäftsführer Tom Gunst nennt vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre als Grund. Das Unternehmen habe bereits seit längerer Zeit mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine habe sich die Situation zusätzlich verschärft.
Wichtig: Bei der Schließung handelt es sich nach Angaben des Geschäftsführers nicht um eine Insolvenz. Vielmehr habe sich die Familie bewusst dazu entschieden, den Geschäftsbetrieb einzustellen.
Räumungsverkauf bei Möbel GUNST hat begonnen
Bevor die Türen endgültig geschlossen werden, läuft bei Möbel GUNST ein umfangreicher Total-Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Warenbestände aus sämtlichen Abteilungen geräumt werden.
Zum Sortiment des Räumungsverkaufs gehören unter anderem:
- Wohnen & Speisen: Polstermöbel, Sessel, Wohnwände, Esstische und Stühle
- Schlafen: Schlafzimmer, Betten und Matratzen
- Küchen: individuell geplante Küchen und Ausstellungsküchen
- Wohnaccessoires: Teppiche, Heimtextilien und Haushaltswaren
- Dekoration: Deko- und Geschenkartikel
Auch die Küchenausstellung ist Teil des Räumungsverkaufs. Neben neu geplanten Küchen sollen vorhandene Ausstellungsküchen teilweise an die räumlichen Gegebenheiten der Käufer angepasst werden können.
Wer in der Region derzeit neue Möbel oder eine Küche sucht, dürfte daher in den kommenden Wochen noch einmal auf Möbel GUNST aufmerksam werden. Wie lange der Räumungsverkauf läuft und wann die beiden Standorte endgültig schließen, hängt auch vom Verlauf des Abverkaufs ab.
Rund 30 Arbeitsplätze fallen in Schwäbisch Hall weg
Besonders einschneidend ist die Geschäftsaufgabe für die Beschäftigten. Knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen.
Da Möbel GUNST den Geschäftsbetrieb vollständig einstellt, entfallen sämtliche Arbeitsplätze an den Standorten.
Für Schwäbisch Hall bedeutet die Schließung damit gleichzeitig den Verlust eines über viele Jahrzehnte gewachsenen mittelständischen Möbelhändlers.
Warum kaufen die Menschen derzeit weniger Möbel?
Die Probleme von Möbel GUNST sind kein Einzelfall. Der Möbelhandel befindet sich seit einigen Jahren in einem schwierigen Marktumfeld. Neben der allgemeinen Konsumzurückhaltung belasten höhere Kosten die Unternehmen.
Zu den Herausforderungen gehören insbesondere:
- steigende Personal- und Lohnkosten
- höhere Energie- und Logistikkosten
- gestiegene Einkaufspreise bei Herstellern
- zunehmender Onlinehandel
- Konzentration auf große Möbelketten und Handelsgruppen
- verändertes Konsumverhalten der Kundinnen und Kunden
Gerade für kleinere und mittelständische Einrichtungshäuser wird es dadurch schwieriger, sich im Wettbewerb zu behaupten.
Auch die Einkaufspreise sind in den vergangenen Jahren teilweise deutlich gestiegen. Händler stehen damit vor dem Problem, höhere Kosten nicht vollständig an ihre Kundschaft weitergeben zu können, ohne die ohnehin zurückhaltende Nachfrage zusätzlich zu belasten.
Die Möbelbranche kämpft damit nicht nur mit einer schwächeren Nachfrage, sondern gleichzeitig mit deutlich höheren Betriebskosten.
Starker Wettbewerb durch große Möbelhäuser in der Region
Für den Standort Schwäbisch Hall kommt ein weiterer Faktor hinzu: In der weiteren Umgebung haben große Möbelstandorte eine erhebliche Anziehungskraft entwickelt.
Insbesondere Heilbronn hat sich durch große Einrichtungshäuser (Möbel RIEGER, XXXLutz) zu einem wichtigen Einkaufsziel für Möbel entwickelt. Dadurch werden auch Kundinnen und Kunden aus dem Raum Schwäbisch Hall angezogen.
Gleichzeitig gibt es mit regionalen Möbelhäusern in Städten wie Crailsheim, EllwangenEllwangen oder Bad Mergentheim weitere Wettbewerber.
Branchenvertreter sehen allerdings nicht ausschließlich die direkten regionalen Konkurrenten als Problem. Vielmehr verändert sich der Markt durch die zunehmende Konzentration auf große Möbelkonzerne und Handelsgruppen.
Regionale Möbelhändler suchen neue Wege
Dass wirtschaftlicher Erfolg trotz des schwierigen Umfelds weiterhin möglich ist, zeigen andere Unternehmen der Region. Einige Möbelhäuser reagieren auf die veränderten Bedingungen mit einer stärkeren Spezialisierung, neuen Sortimenten oder zusätzlichen Dienstleistungen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die persönliche Beratung. Während der Onlinehandel vor allem über Auswahl, Verfügbarkeit und Preis konkurriert, versuchen stationäre Einrichtungshäuser, mit individueller Planung, Vor-Ort-Beratung und zusätzlichen Serviceleistungen zu punkten.
Auch Veranstaltungen und neue Konzepte sollen dafür sorgen, dass Möbelhäuser stärker als Erlebnis- und Beratungsorte wahrgenommen werden.
Die Entwicklung zeigt damit ein differenziertes Bild:
Die Nachfrage nach Möbeln ist nicht verschwunden – die Bedingungen für den stationären Möbelhandel haben sich jedoch deutlich verändert.
Recaro übernimmt das Gelände von Möbel GUNST
Für einen großen Teil des bisherigen Möbel-GUNST-Areals gibt es bereits eine Nachfolgelösung. Der Flugzeugsitzhersteller Recaro hat die beiden Handelsgebäude gekauft.
Wie die Immobilien künftig genutzt werden sollen, ist derzeit noch nicht abschließend entschieden. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben noch an entsprechenden Planungen. Offen ist zudem die Zukunft eines einige hundert Meter entfernten großen Lagergebäudes von Möbel GUNST. Hier liefen zuletzt noch Verhandlungen.
Möbel GUNST hinterlässt eine große Lücke in Schwäbisch Hall
Mit der Geschäftsaufgabe von Möbel GUNST verliert Schwäbisch Hall eines seiner traditionsreichsten Handelsunternehmen.
Mehr als 111 Jahre Unternehmensgeschichte und vier Generationen der Familie Gunst gehen damit zu Ende.
Für die Region ist die Schließung zugleich ein weiteres Beispiel dafür, wie stark sich der Möbelhandel derzeit verändert. Steigende Kosten, eine zurückhaltende Konsumstimmung, der Onlinehandel und die wachsende Marktmacht großer Anbieter erhöhen insbesondere für mittelständische Einrichtungshäuser den Druck.
Für Möbel GUNST ist diese Entwicklung nun endgültig: Nach Abschluss des laufenden Räumungsverkaufs schließen die Einrichtungshäuser in Schwäbisch Hall für immer.