Tipps für den erfolgreichen Einstieg in den Online-Handel
Der Online-Handel bietet Unternehmen, Selbstständigen und klassischen Einzelhändlern die Möglichkeit, neue Kundengruppen zu erreichen und Produkte unabhängig von einem stationären Standort anzubieten. Ein eigener Onlineshop ist allerdings noch lange kein Garant für erfolgreiche Verkäufe. Strategie, Sortiment, Technik, Logistik und Marketing müssen zusammenspielen, damit aus Besuchern langfristig Kunden werden.
Wer neu in den E-Commerce einsteigt, sollte deshalb nicht versuchen, von Anfang an alles gleichzeitig umzusetzen. Ein solides Fundament und klar definierte Ziele sind wichtiger als möglichst viele Funktionen. Wir zeigen Euch, worauf es beim Einstieg in den Online-Handel besonders ankommt.
1. Mit einer klaren Strategie starten
Bevor Ihr Produkte einstellt oder einen Onlineshop erstellen lasst, solltet Ihr Euch Gedanken über das eigentliche Geschäftsmodell machen.
Dabei stehen zunächst einige grundlegende Fragen im Mittelpunkt:
- Welche Produkte oder Dienstleistungen möchtet Ihr verkaufen?
- Welche Zielgruppen möchtet Ihr erreichen?
- Über welche Vertriebskanäle sollen die Produkte angeboten werden?
- Wie hoch sind Einkaufspreise, laufende Kosten und mögliche Margen?
- Welche Umsätze sollen kurz-, mittel- und langfristig erreicht werden?
- Was unterscheidet Euer Angebot von bestehenden Wettbewerbern?
Besonders wichtig ist eine realistische Kostenplanung. Neben Einkauf und Warenbestand entstehen im Online-Handel unter anderem Kosten für Shopsystem, Hosting, Zahlungsabwicklung, Verpackung, Versand, Retouren, Marketing und gegebenenfalls externe Dienstleister.
Redaktioneller Tipp: Definiert von Anfang an konkrete Kennzahlen. Besucherzahlen allein sagen wenig über den wirtschaftlichen Erfolg eines Shops aus. Interessanter sind beispielsweise Conversion Rate, durchschnittlicher Warenkorb, Retourenquote, Deckungsbeitrag und die Kosten für die Gewinnung eines neuen Kunden.
2. Markt und Wettbewerb genau analysieren
Bevor Ihr größere Mengen eines Produktes einkauft, solltet Ihr wissen, wie der Markt bereits aufgestellt ist.
Welche Händler bieten vergleichbare Produkte an? Wie hoch sind die Preise? Welche Lieferzeiten werden angeboten? Wie präsentieren Wettbewerber ihre Produkte und welche zusätzlichen Leistungen bieten sie ihren Kunden?
Auch Suchmaschinen können Euch einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie groß das Interesse an bestimmten Produkten und Themen ist. Ergänzend können Suchtrends, Marktplätze, Preisvergleichsportale und Brancheninformationen bei der Einschätzung des Marktes helfen.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Frage, ob Nachfrage vorhanden ist. Ihr solltet ebenfalls klären, ob Ihr unter realistischen Bedingungen wettbewerbsfähig verkaufen könnt.
Ein Produkt mit hoher Nachfrage ist nicht automatisch ein gutes Geschäft, wenn Margen gering und Wettbewerbskosten hoch sind.
3. Die richtigen Vertriebskanäle auswählen
Eine der wichtigsten Entscheidungen betrifft die Frage, wo Ihr Eure Produkte verkaufen möchtet.
Grundsätzlich stehen Euch unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Neben dem eigenen Onlineshop kommen große Marktplätze sowie spezialisierte Plattformen für bestimmte Produktgruppen infrage.
Marktplätze können insbesondere zum Start interessant sein, weil dort bereits eine große Zahl potenzieller Kunden unterwegs ist. Dafür entstehen häufig Verkaufsgebühren und Ihr seid stärker von den Vorgaben der jeweiligen Plattform abhängig.
Ein eigener Onlineshop bietet dagegen mehr Kontrolle über Präsentation, Sortiment, Kundenkommunikation und Markenauftritt. Die Reichweite müsst Ihr allerdings weitgehend selbst aufbauen.
In vielen Fällen kann deshalb eine Kombination verschiedener Vertriebskanäle sinnvoll sein.
Wichtig ist nicht, auf möglichst vielen Plattformen vertreten zu sein, sondern die für das eigene Geschäftsmodell passenden Kanäle profitabel zu bedienen.
4. Der erste Eindruck entscheidet
Im stationären Handel bestimmen Schaufenster, Verkaufsfläche und Beratung wesentlich den ersten Eindruck. Im Internet übernimmt diese Aufgabe Euer Onlineshop.
Besucher entscheiden häufig innerhalb kurzer Zeit, ob eine Webseite professionell und vertrauenswürdig wirkt.
Achtet deshalb besonders auf:
- eine übersichtliche und verständliche Navigation
- hochwertige Produktbilder
- aussagekräftige Produktbeschreibungen
- eine gute Darstellung auf Smartphones
- schnelle Ladezeiten
- transparente Preise und Versandinformationen
- gut erreichbare Kontaktmöglichkeiten
- einen unkomplizierten Bestellprozess
Vor allem hochwertige Produktbilder sollten nicht unterschätzt werden. Eure Kunden können Produkte online weder anfassen noch unmittelbar begutachten. Bilder, Videos, technische Daten und ausführliche Beschreibungen müssen einen Teil dieser fehlenden Erfahrung ersetzen.
5. Gute Produktinformationen reduzieren Unsicherheit
Eine Produktseite sollte die wichtigsten Fragen beantworten, bevor sie entstehen.
Neben Preis und Produktbildern gehören dazu beispielsweise Abmessungen, Materialien, Varianten, Lieferumfang, Verfügbarkeit und Lieferzeiten. Welche Informationen erforderlich sind, hängt natürlich stark vom jeweiligen Produkt ab.
Bei erklärungsbedürftigen Waren können zusätzliche Ratgeber, Vergleichstabellen, Videos oder FAQ-Bereiche hilfreich sein.
Je besser Ihr Eure Produkte erklärt, desto leichter fällt Kunden die Kaufentscheidung.
6. Persönliche Beratung bleibt wichtig
Online-Handel bedeutet nicht, dass Kunden keinen persönlichen Ansprechpartner mehr benötigen.
Gerade bei hochwertigen, technischen oder erklärungsbedürftigen Produkten kann eine gute Beratung darüber entscheiden, ob ein Kauf zustande kommt.
Macht deshalb Kontaktmöglichkeiten gut sichtbar. Je nach Unternehmen können Telefon, E-Mail, Kontaktformular oder Chat geeignete Kanäle sein.
Entscheidend ist weniger die Anzahl der Kontaktmöglichkeiten als deren Qualität. Wer einen telefonischen Support anbietet, sollte während der angegebenen Zeiten auch tatsächlich erreichbar sein. Bei E-Mails erwarten Kunden ebenfalls eine angemessene Reaktionszeit.
7. Lieferzeiten realistisch kommunizieren
Nach dem Klick auf „Bestellen“ beginnt ein weiterer wichtiger Teil des Einkaufserlebnisses.
Kunden möchten wissen, wann ihre Bestellung ankommt.
Kurze Lieferzeiten können ein Wettbewerbsvorteil sein. Noch wichtiger ist jedoch eine realistische Kommunikation. Versprecht keine Lieferung innerhalb von zwei Tagen, wenn Ihr dieses Versprechen regelmäßig nicht einhalten könnt.
Sind bestimmte Produkte sofort verfügbar, während andere erst bestellt oder produziert werden müssen, sollte dies bereits auf der Produktseite eindeutig erkennbar sein.
Zuverlässigkeit ist langfristig wichtiger als ein unrealistisches Lieferversprechen.
8. Versandkosten und Lieferbedingungen transparent darstellen
Unerwartete Zusatzkosten gehören zu den häufigsten Ärgernissen beim Online-Einkauf.
Kunden sollten deshalb frühzeitig erkennen können, welche Versandkosten entstehen, welche Liefermöglichkeiten bestehen und welche Bedingungen gelten.
Das betrifft beispielsweise:
- Versandkosten
- mögliche Versandkostenfreigrenzen
- Liefergebiete
- Lieferzeiten
- Versanddienstleister
- Speditionslieferungen
- Abholung vor Ort
- gegebenenfalls besondere Bedingungen für bestimmte Waren
Je transparenter Ihr diese Informationen kommuniziert, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden den Kauf aufgrund unerwarteter Bedingungen abbrechen.
9. Verschiedene Zahlungsarten anbieten
Nicht jeder Kunde möchte auf die gleiche Weise bezahlen. Während der eine bevorzugt PayPal, WERO oder ein anderes Wallet nutzt, bezahlt ein anderer lieber per Kreditkarte, Lastschrift oder Rechnung.
Welche Zahlungsarten sinnvoll sind, hängt von Zielgruppe, Warenkorbgröße, Branche und Absatzmarkt ab.
Dabei solltet Ihr allerdings nicht nur die Wünsche der Kunden berücksichtigen. Zahlungsanbieter verursachen Kosten und die einzelnen Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich Zahlungsausfall, Rückbuchungen und Verwaltungsaufwand.
Grundregel: Bietet ausreichend Auswahl, ohne den Checkout mit unnötig vielen Optionen zu überladen.
Fehlt eine von der Zielgruppe stark bevorzugte Zahlungsmethode, kann dies zu Kaufabbrüchen führen.
10. Warenwirtschaft und Prozesse frühzeitig mitdenken
Bei zwei Bestellungen pro Tag lassen sich viele Abläufe noch manuell erledigen. Bei 20, 50 oder 100 täglichen Bestellungen sieht das schnell anders aus.
Deshalb solltet Ihr frühzeitig überlegen, wie sich wiederkehrende Prozesse automatisieren lassen.
Ein geeignetes Warenwirtschafts- oder ERP-System kann unter anderem bei folgenden Aufgaben helfen:
- Lagerbestände verwalten
- Bestellungen bearbeiten
- Rechnungen und Lieferscheine erstellen
- Versandetiketten erzeugen
- Bestände zwischen verschiedenen Verkaufskanälen synchronisieren
- Retouren bearbeiten
- Einkaufsprozesse organisieren
Dabei muss zum Start nicht zwingend die umfangreichste Lösung eingesetzt werden. Entscheidend ist vielmehr, dass die technische Struktur mit dem Unternehmen wachsen kann.
Je höher das Bestellvolumen wird, desto wichtiger werden automatisierte und klar definierte Prozesse.
11. Rechtliche Anforderungen ernst nehmen
Wer einen Onlineshop betreibt, muss zahlreiche rechtliche Vorgaben beachten. Welche Anforderungen konkret gelten, hängt unter anderem von Unternehmen, Sortiment, Zielgruppe und den Ländern ab, in die verkauft wird.
Zu den relevanten Bereichen können beispielsweise gehören:
- Impressum
- Datenschutz
- Verbraucherinformationen
- Widerrufsrecht
- Preisangaben
- Liefer- und Zahlungsbedingungen
- Produktkennzeichnungen
- Urheber- und Markenrechte
- Garantie und Gewährleistung
- Umgang mit Bildern, Grafiken und Produktinformationen
Rechtstexte sollten nicht einfach von einem anderen Shop übernommen werden. Im Zweifel empfiehlt sich eine individuelle Prüfung durch entsprechend spezialisierte Rechtsberatung.
Gerade im E-Commerce können vermeintlich kleine Fehler oft unnötige rechtliche und finanzielle Risiken verursachen.
12. Ohne Online-Marketing fehlt die Reichweite
Der technisch beste Onlineshop verkauft wenig, wenn ihn niemand findet.
Deshalb gehört die Gewinnung von Besuchern von Anfang an zur Strategie. Welche Marketingkanäle funktionieren, hängt stark von Eurem Angebot und der Zielgruppe ab.
Mögliche Instrumente sind beispielsweise:
- Suchmaschinenoptimierung (SEO)
- Suchmaschinenwerbung
- Social-Media-Marketing
- E-Mail-Marketing
- Content-Marketing
- Kooperationen mit anderen Webseiten
- Affiliate-Marketing
- Influencer-Kooperationen
- Preisvergleichs- und Shopping-Plattformen
Dabei solltet Ihr nicht jeden verfügbaren Kanal gleichzeitig bespielen. Testet unterschiedliche Maßnahmen und wertet aus, welcher Kanal tatsächlich profitable Bestellungen generiert.
Reichweite allein ist keine relevante Erfolgskennzahl, wenn die gewonnenen Besucher anschließend nichts kaufen.
13. Individualität statt austauschbarer Onlineshop
Im Internet konkurriert Ihr nicht nur mit dem Händler in der Nachbarstadt. Je nach Sortiment steht Ihr mit Anbietern aus ganz Deutschland oder sogar international im Wettbewerb.
Umso wichtiger ist die Frage:
Warum sollte ein Kunde ausgerechnet bei Euch bestellen?
Vielleicht bietet Ihr eine besonders gute Beratung, ein außergewöhnliches Sortiment, schnelle Lieferungen, eigene Produkte oder besonderes Fachwissen.
Gerade kleinere Händler sollten versuchen, ihre persönlichen Stärken auszuspielen. Gegen große Plattformen ausschließlich über den Preis anzutreten, ist langfristig häufig schwierig.
Ein klar erkennbares Profil schafft Wiedererkennungswert und kann aus einmaligen Käufern langfristige Stammkunden machen.
14. Nach der Bestellung beginnt die Kundenbindung
Mit dem Versand einer Bestellung ist die Beziehung zum Kunden nicht automatisch beendet.
Im Gegenteil: Ein Kunde, der bereits bestellt hat und zufrieden war, kennt Euren Shop und muss nicht erneut vollständig von Eurem Angebot überzeugt werden.
Eine saubere Verpackung, zuverlässige Lieferung, unkomplizierte Retouren und gute Kommunikation sind deshalb wichtige Bestandteile der Kundenbindung.
Je nach Geschäftsmodell können außerdem Gutscheine für spätere Bestellungen, Bonusprogramme oder Newsletter-Angebote sinnvoll sein. Dabei sind selbstverständlich die jeweils geltenden rechtlichen Anforderungen zu berücksichtigen.
Auch die Verpackung selbst bietet eine Gelegenheit, positiv im Gedächtnis zu bleiben. Eine persönliche Karte, hilfreiche Produktinformationen oder eine hochwertig gestaltete Sendung können das Einkaufserlebnis abrunden.
Fazit: Erfolgreicher Online-Handel braucht mehr als einen Onlineshop
Der Einstieg in den Online-Handel ist technisch heute vergleichsweise schnell möglich. Einen dauerhaft erfolgreichen E-Commerce-Kanal aufzubauen, erfordert dagegen deutlich mehr.
Eine durchdachte Strategie, ein wettbewerbsfähiges Sortiment, professionelle Produktdarstellung, zuverlässige Logistik und gezieltes Marketing bilden die Grundlage. Gleichzeitig müssen Zahlungsabwicklung, Kundenservice, Warenwirtschaft und rechtliche Anforderungen berücksichtigt werden.
Dabei muss nicht vom ersten Tag an alles perfekt sein. Viel wichtiger ist, die Ergebnisse regelmäßig auszuwerten und den Shop kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Online-Handel ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Wer seine Kunden versteht, Abläufe optimiert und Entscheidungen anhand belastbarer Kennzahlen trifft, schafft eine deutlich bessere Grundlage für nachhaltiges Wachstum.