Ideen für das E-Commerce-Design für neue Online-Händler
Ein Erstbesucher gibt einem neuen Online-Shop nur wenige Sekunden Zeit, um ihn zu überzeugen. Wenn die Startseite nicht deutlich macht, was Ihr verkauft und warum es den Preis wert ist, verlässt der Besucher die Seite – und das Geld, das Ihr für Werbung ausgegeben habt, ist damit verloren.
Doch gerade beim Design können kleine Händler tatsächlich mit den großen Anbietern mithalten. Mit 40 Produkten und einer klaren visuellen Identität könnt Ihr einen Shop aufbauen, der sich weitaus persönlicher anfühlt als jeder Eintrag auf einem Marktplatz.
Die folgenden Ideen konzentrieren sich auf das erste Jahr, in dem die Budgets knapp sind und jede Designentscheidung ihren Platz verdienen muss.
Beginnt mit einer Startseite, die eine Frage beantwortet
Ihr möchtet sofort erkennen, was ein Shop verkauft. Ein aussagekräftiger Hero-Bereich zeigt das Produkt in der Anwendung, kombiniert es mit einer Überschrift von weniger als zehn Wörtern und bietet einen eindeutigen Button, etwa „Entdeckt die Kollektion“.
Slider wirken häufig überladen und sind selten hilfreich. Viele Besucher warten gar nicht erst auf die zweite Folie. Deshalb sollte die wichtigste Botschaft bereits auf dem ersten Bildschirm statisch und gut lesbar erscheinen.
Auch bei der Farbwahl ist Zurückhaltung angesagt. Zwei Markenfarben auf neutralem Hintergrund reichen völlig aus. Die Akzentfarbe sollte für Schaltflächen reserviert werden, damit Ihr auf einen Blick erkennt, wo Ihr klicken könnt.
Ein Rundgang durch echte Geschäfte ist der schnellste Weg, um diese Entscheidungen zu verfeinern. Die Sammlung von Beispielshops bei Jimdo bietet Euch Inspiration für Euren Online-Shop. Dort findet Ihr Geschäfte von Bäckereien über Modelabels bis hin zu Kunsthandwerksateliers, die Layout, Farbe und Fotografie jeweils unterschiedlich gestalten. Wenn Ihr fünf oder sechs Beispiele miteinander vergleicht, erkennt Ihr nützliche Muster meist schnell.
Produktseiten tragen das größte Gewicht
Auf der Produktseite entscheidet sich, ob ein Verkauf zustande kommt. Gute Seiten kombinieren vier oder fünf Fotos – darunter eines, das den Maßstab verdeutlicht – mit kurzen Texten, die praktische Fragen beantworten. Dazu gehören beispielsweise Informationen zu Größe, Material, Pflege und Lieferzeit.
Einheitliche Fotohintergründe, etwa einfaches Weiß oder ein sanfter, neutraler Farbton, lassen einen Katalog mit 40 Artikeln wie eine echte Marke wirken.
Deutsche Käuferinnen und Käufer sind ein erfahrenes Publikum. Laut dem Statistischen Bundesamt hatten bis 2024 bereits 83 Prozent der 16- bis 74-Jährigen etwas online gekauft. Das entspricht rund 52 Millionen Menschen. Käuferinnen und Käufer mit so viel Erfahrung bemerken vage Produktbeschreibungen sofort.
Rücksendungen sind die versteckten Kosten schwacher Produktseiten. Eine Studie der Rückgabemanagement-Gruppe der Universität Bamberg ergab, dass Deutschland die höchste Rückgabequote in Europa hat. Mode macht dabei den größten Teil der zurückgesendeten Artikel aus.
Detaillierte Größentabellen, Hinweise zur Passform wie „fällt klein aus, eine Nummer größer wählen“ und Kundenfotos nehmen Euch das Rätselraten ab, bevor Ihr eine Bestellung aufgebt.
Gestaltet den Checkout für den Daumen
Ein großer Teil des Traffics kleiner Online-Shops erfolgt mittlerweile über Smartphones. Deshalb sollten Schaltflächen groß genug für einen Daumen sein. Formulare sollten nur die wichtigsten Angaben abfragen. Der Gast-Checkout sollte die Standardeinstellung sein und nicht hinter einer zusätzlichen Option versteckt werden.
Zahlungsoptionen spielen eine größere Rolle, als viele Gründer erwarten. In Deutschland zahlen viele Kundinnen und Kunden nach wie vor gerne per Rechnung oder PayPal. Jüngere Käuferinnen und Käufer greifen häufig auch auf Klarna oder Apple Pay zurück.
Die Logos der verfügbaren Zahlungsarten solltet Ihr bereits auf der Produktseite zeigen und nicht erst an der Kasse. So beseitigt Ihr einen weiteren möglichen Grund zum Zögern.
Vertrauenssignale gehören in die Nähe des Kaufbuttons. Dazu zählen:
- klare Angaben zu Lieferzeiten,
- verständliche Informationen zum Rückgaberecht,
- eine vollständige Geschäftsadresse,
- sichere und nachvollziehbare Zahlungsoptionen,
- ein vollständiges Impressum.
Gerade in Deutschland ist ein vollständiges Impressum gesetzlich vorgeschrieben und gehört zu den grundlegenden Vertrauensfaktoren eines Online-Shops.
Barrierefreiheit gehört inzwischen zu den Anforderungen
Seit dem 28. Juni 2025 schreibt das deutsche Barrierefreiheitsstärkungsgesetz vor, dass viele Online-Shops, die an Verbraucherinnen und Verbraucher verkaufen, barrierefrei sein müssen. Die IHK Region Stuttgart erklärt, dass das Gesetz auf die europäische Norm EN 301 549 verweist, die wiederum die WCAG-2.1-AA-Richtlinien als Grundlage nimmt.
In der Praxis bedeutet das unter anderem:
- ein ausreichender Farbkontrast,
- ein Alternativtext für jedes Produktbild,
- Formulare, die mit der Tastatur bedienbar sind,
- gut verständliche Beschriftungen,
- Text, der sich vergrößern lässt, ohne das Layout zu zerstören,
- ausreichend große Schalt- und Antippflächen.
Sehr kleine Unternehmen können von bestimmten Vorgaben ausgenommen sein. Die grundlegenden Anforderungen an eine verständliche und zugängliche Gestaltung solltet Ihr dennoch berücksichtigen. Klarere Beschriftungen und größere Antippflächen helfen allen Kundinnen und Kunden – auch dann, wenn sie unterwegs mit einem Smartphone einkaufen.
Wie es weitergeht
Ein neuer Shop braucht am Tag des Starts kein perfektes Design. Er braucht eine übersichtliche Startseite, aussagekräftige Produktseiten und einen Bestellvorgang, der auf dem Smartphone funktioniert. Alles Weitere könnt Ihr testen und verfeinern, sobald die ersten echten Bestellungen eingehen.
Die Einzelhändler, die am schnellsten wachsen, betrachten Design in der Regel eher als fortlaufende Aufgabe denn als einmaliges Projekt. Sie prüfen, auf welchen Seiten Besucher abspringen, beheben ein Problem nach dem anderen und beobachten, wie sich die Änderungen auf den Umsatz auswirken.
Sechs Monate mit kleinen, kontinuierlichen Anpassungen sind oft wirkungsvoller als eine teure Neugestaltung. Für das Budget eines Start-ups ist dieser Ansatz zudem deutlich leichter umzusetzen.