Migros gibt Supermarktkette Tegut in Deutschland auf

Supermarktkette Tegut: Migros gibt Sanierung in Deutschland auf

Der Schweizer Handelskonzern Migros zieht einen Schlussstrich unter sein Deutschland-Geschäft. Nach jahrelangen Verlusten und mehreren Sanierungsversuchen hat sich der Konzern entschieden, die Supermarktkette Tegut aufzugeben. Große Teile der rund 300 Filialen sollen künftig von EDEKA und REWE übernommen werden. Damit verschwindet eine traditionsreiche Marke aus dem deutschen Lebensmittelhandel.

Für Euch als Kunden bedeutet das: In vielen Regionen werden bisherige Tegut-Märkte künftig unter anderen Namen weitergeführt – während sich die Struktur des deutschen Supermarktes weiter verändert.

Rückzug nach mehr als zehn Jahren Deutschland-Geschäft

Migros hatte Tegut im Jahr 2013 übernommen, um langfristig im deutschen Lebensmittelhandel Fuß zu fassen. Die Supermarktkette mit Sitz in Fulda galt damals als interessantes Konzept mit starkem Fokus auf Bio-Produkte, Regionalität und nachhaltige Sortimente.

Doch das Deutschland-Abenteuer entwickelte sich für Migros zu einem schwierigen Projekt. Trotz verschiedener Sanierungsmaßnahmen gelang es nicht, das Unternehmen dauerhaft profitabel zu machen.

Seit der Übernahme soll Migros insgesamt rund 600 Millionen Euro Verlust mit Tegut gemacht haben. Allein im vergangenen Jahr lag der operative Verlust noch bei rund 30 Millionen Euro.

Der deutsche Lebensmittelmarkt gilt als besonders hart umkämpft und stark preisgetrieben. Für kleinere Anbieter ist es deshalb schwierig, gegen große Handelsketten zu bestehen.

Sparkurs konnte Trend nicht stoppen

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Tegut mehrere Sparmaßnahmen umgesetzt, um das Geschäft zu stabilisieren. Dazu gehörten unter anderem:

  • 120 gestrichene Stellen
  • der Verkauf von mehr als 30 Filialen
  • verschiedene Kostensenkungsprogramme

Trotz dieser Maßnahmen blieb die wirtschaftliche Situation angespannt. Gleichzeitig gingen die Umsätze weiter zurück. Am Ende entschied sich Migros daher, das Deutschland-Geschäft vollständig zu beenden und sich künftig wieder stärker auf den Schweizer Markt zu konzentrieren.

Edeka und Rewe übernehmen viele Filialen

Im Zuge des Rückzugs sollen große Teile der Tegut-Gruppe verkauft werden. Ein bereits unterzeichneter Vertrag sieht vor, dass EDEKA einen erheblichen Teil der Filialen übernimmt. Auch wichtige Unternehmensbereiche gehören zu diesem Paket.

Dazu zählen unter anderem:

  • zahlreiche Supermärkte der Kette
  • das neue Logistikzentrum in Michelsrombach
  • die Herzberger Bäckerei
  • rund 40 autonome Mini-Supermärkte der Marke Teo

Parallel laufen Gespräche mit REWE über ein weiteres Filialpaket. Wie viele Märkte genau an REWE gehen könnten, ist bislang noch offen.

Außerdem zeigt auch ALDI Nord Interesse an einzelnen Standorten. Der Discounter prüft offenbar, ob eine kleinere Zahl von Märkten übernommen werden könnte.

Bevor die Verkäufe endgültig umgesetzt werden können, muss allerdings noch das Bundeskartellamt zustimmen.

Mehr als 7.000 Mitarbeitende betroffen

Die Entscheidung betrifft insgesamt rund 7.400 Beschäftigte. Dazu gehören:

  • etwa 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Filialen
  • Beschäftigte in der Unternehmenszentrale in Fulda
  • Mitarbeitende im Logistikzentrum in Hünfeld
  • Angestellte der Herzberger Bäckerei

Viele Arbeitsplätze in den Supermärkten könnten erhalten bleiben, da ein Großteil der Filialen mit den Mitarbeitenden übernommen werden soll. Wie sich die Situation für Beschäftigte in Verwaltung und Logistik entwickelt, ist derzeit noch unklar.

Marke Tegut soll verschwinden

Mit dem Verkauf endet vermutlich auch die Geschichte der Marke Tegut. Nach aktuellen Planungen soll der Name bis zum Ende des Jahres vollständig vom Markt verschwinden.

Die Supermarktkette wurde ursprünglich 1947 in Fulda gegründet und entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem bekannten regionalen Anbieter – vor allem in Hessen sowie in Teilen von Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen.

Zuletzt betrieb Tegut mehr als 300 Filialen in sechs Bundesländern und erzielte einen Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.

Wettbewerb im Lebensmittelhandel wird immer konzentrierter

Der Rückzug von Tegut zeigt auch, wie stark sich der deutsche Lebensmittelmarkt in den vergangenen Jahren verändert hat. Schon heute dominieren wenige große Handelsgruppen den Markt.

Zu den wichtigsten Unternehmen zählen:

Diese vier großen Handelskonzerne kontrollieren bereits einen sehr großen Teil des Marktes. Durch die Übernahme vieler Tegut-Filialen könnte sich diese Konzentration weiter verstärken.

Ähnliche Entwicklungen gab es bereits in der Vergangenheit, etwa beim Rückzug der Tengelmann-Gruppe, deren Supermärkte später ebenfalls von großen Handelsketten übernommen wurden.

Zusammengefasst:
Tegut verschwindet, der Markt verändert sich weiter

Mit dem Rückzug von Migros endet ein Kapitel im deutschen Lebensmittelhandel. Die Sanierung der Supermarktkette Tegut konnte trotz umfangreicher Sparmaßnahmen nicht erfolgreich abgeschlossen werden.

Viele Filialen werden künftig unter den Marken EDEKA oder REWE weitergeführt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung erneut, wie schwierig es für kleinere Handelskonzepte geworden ist, im stark umkämpften deutschen Supermarktmarkt zu bestehen.

Für Euch als Kunden wird sich vor allem eines ändern: In vielen Regionen verschwinden Tegut-Schilder aus dem Stadtbild – und neue Supermarktmarken ziehen in die bisherigen Standorte ein.

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